Wilfried Marcour ganz hoch oben: Der fitte Flürener mit Tour-Mitgliedern unterhalb der sonnebeschienenen Berggipfel des Himalaya

Ein Flürener im Himalaya

BERGLÄUFER / Der 60-jährige Marathonmann im Unruhestand, Wilfried Marcour, war bei einer Expedition dabei

JOHNNY KARGER  -  NRZ  24.11. 2001

WESEL. Die körperliche Fitness brauchte der 60jährige Flürener Marathonmann Wilfried Marcour für sein dreiwöchiges Himalaya-Trekking nicht noch unter Beweis zu stellen: Er war fit, denn den New York-Marathon (2006), weitere 47 Marathonstrecken und insgesamt 115 000 Laufkilometer hat er nach den letzten 25 Jahren schon in den Beinen. So lange kann der drahtige 66-Kilo-Mann auch schon Bergerfahrungen im europäischen Hochgebirge vorweisen. Im Himalaya aber war er noch nie. Diesen Traum erfüllte sich der Flürener, der sich seit wenigen Monaten im „Unruhestand" befindet, als einer von acht Teilnehmern nebst Bergführer, Sherpas, Porter, Feldküche, Yakman und vier Yaks im Rahmen der Münchener Hauser-Expedition.

  Vorab informierte sich Wifried Marcour durch das Studium dreier dicker Bücher ausgiebig über das Hindu- und Sherpaland Nepal. „Das ersetzt aber nicht das großartige und unvergessliche Erlebnis im Himalaya selbst", sprudelt es aus Marcour förmlich heraus, der nach der Tour schlicht sagt: „Ich bin glücklich!"




Rast in einem kleinen Zeltdorf. Eine ganze Menge an Ausrüstung hatten die Leute der Expedition während ihrer abenteuerlichen Bergtour zu schleppen.





  Der „Wille zum Gipfel" war bei Wilfried Marcour schon immer stark ausgeprägt, denn die österreichischen Schweizer und skandinavischen Berge kennt er wie seine Westentasche. Das alles war aber nichts jetzt gegen das kühne Abenteuer im Himalaya, wo er auf der mehrtägigen Tour mit der Seilschaft bis zum Mount Everest Base Camp in 5354 Metern Höhe fünf Fünftausender bezwang. Darunter waren der Gokyo Peak (5340 Meter), der Cho Lo Col (5420), der Kala Pattar (5640), der Pokal de Ri-Gletscher (5806) und als besondere Herausforderung der 6188 Meter hohe Island Peak.

  Die Route führte zunächst bis Kathmandu, wo die Gruppe (Alter 26 bis 60 Jahre) in der nepalesischen Hauptstadt auch bei der Besichtigung zahlreicher historischer Bauten, Paläste, Tempel, Klöster und Monumente aus dem Staunen nicht heraus kam.

  Akklimatisieren lautete das Gebot der Stunde, bis es mit der Propeller-Maschine zum 2800 Meter hoch gelegenen Mini-Flugplatz nach Lukla ging. Von dort aus mussten sich alle auf die eigenen Füße verlassen.

  Über Drahtseilbrücken gelangte die Gruppe in den Sagarmatha-Nationalpark und von da aus weiter in höhere Regionen, bis die Luft immer dünner wurde. „Sieht man davon ab, dass der Essener Michael wegen Zahnschmerzen und der Österreicher Andy wegen Rückenproblemen später die Tour vorzeitig abbrachen, verlief das Unternehmen Himalaya eigentlich problemlos und ohne Unfall", zog Wilfried Marcour eine erste Bilanz, um zu ergänzen: „Aber teilweise ging es doch ans Limit. Und auch bei den schwierigen Abstiegen musste man darauf bedacht sein, mit den Kräften zu haushalten. Je tiefer man runtersteigt, tritt alle 500 Meter ein Erholungseffekt ein. Viel Magnesium enthaltende Kost, aber auch bis zu sechs Liter Tee am Tage halfen uns bei den Strapazen wieder auf die Beine. Trittfestigkeit im Berg war oberstes Gebot. Lediglich mit einer Stirnlampe verschaffte ich mir beim An- oder Abstieg in der Dunkelheit ein Sichtfeld. Nur den allgegenwärtigen Teegeruch konnte ich nur schwer ertragen. Aber es musste ja sein."

  Die tagelangen, selbst auferlegten Anstrengungen der Tour waren am Ende für Marcour und die Seilschaft schnell wieder verflogen, angesichts eines faszinierenden Besichtigungs- Programms. Von einem Internet-Cafe aus schickte Wilfried die ersten Grüße in die Heimat. Ein unvergessenes Erlebnis im Kreise der zuverlässigen Crew ging zu Ende.

  Nur beim Heimflug wurde es in Wien noch einmal recht hektisch. Da erwischte Marcour gerade noch in letzter Sekunde den Flieger nach Düsseldorf. Aber was ein Ausdauerläufer und Bergbezwinger ist, der schafft eben auch das. Der rüstige Flürener Rentner ist sich sicher:
Der 50. Marathonlauf kann kommen.