WILFRIED MARCOUR. Einst als Entspannung vom Berufsstress gedacht hat sich das Laufen bei dem Flürener zur großen Leidenschaft entwickelt.
Wesel, 09.01.2008, ANDREAS NOHLEN

WESEL. Ein Ausgleich für den stressigen Berufsalltag sollte es werden. Nicht immer erreichbar sein, sondern abschalten und durchpusten. So begann die Laufkarriere des Wilfried Marcour im Jahre 1980 an der Wedau in Duisburg. Heute, 49 Marathons und unzählige Podestplätze später, hat der pensionierte Maschinenbau-Techniker-Meister seine Entscheidung keinen Meter bereut.
"Ein wenig Talent war wohl auch dabei", erklärt sich der 65-Jährige die Tatsache, dass er seinen ersten Marathon am Essener Baldeneysee nach nur 3:06 Stunden beendete und mit 44 Jahren in Frankfurt seinen persönlichen Rekord von 2:50 Stunden aufstellte.
Die spät, aber rechtzeitig entdeckte Freude am Laufsport war 1981 mitentscheidend für den Umzug mit der Familie weg von Duisburg und raus aufs Land. "Mit der Volkstanzgruppe waren wir mal in der Alten Post in Flüren gewesen. So habe ich mich an diesen Ort erinnert und wir dort ein Haus gekauft", so Marcour. "Während der Renovierungsarbeiten haben wir dann mitbekommen, dass auf dem Sportplatz fast hinter dem Haus öfters etwas los ist und so habe ich mich dann auch schnell bei GW Flüren angemeldet."
Bis zum Dezember des letzten Jahres war er dort auch als Sportwart und außerdem als Mit-Organisator des Hanse-City-Laufs tätig. Doch die Zeit ist knapp, wenn man so fit ist und dies auch nutzen will. Schließlich hat der zweifache Familienvater auch noch das Bergwandern - oder Trekking - für sich entdeckt. Rund um den Mount Everest ging es schon hinauf bis auf 6200 Meter.
Zwei Stunden tägliches Training
Und die Vereinskollegen Wolfgang Heyden und Hans Henschel waren auf der Monte-Rosa-Tour in den Alpen dabei, als das Trio die 170 km-Tour mit 11 500 Höhenmetern in nur neun Tagen absolvierte. Natürlich ohne Seilbahn. Außerdem steigt der Flürener in den wärmeren Monaten gerne auf sein Rennrad.
Die Nummer eins in Sachen Bewegung ist aber weiterhin das Laufen. Täglich zwei Stunden ist der Ausdauerspezialist unterwegs. Rund um den Auesee, aber auch viel auf dem Rheindeich und Feldwegen. Sein Motivationstipp: "Am besten ist, weit weg zu laufen, denn man muss ja irgendwie wieder nach Hause kommen."
In seinem Fall momentan mit dem 76. Paar Schuhe. Was dagegen fehlt in der akribischen Buchführung sind Pulsmessungen und Zwischenzeiten. "Ich laufe eigentlich nicht mit Uhr und nie mit Pulsmesser, sondern immer nur nach Gefühl", erklärt Marcour. Und dieses Gefühl ist genau. So genau, dass der Routinier schon überrascht ist, wenn er sich bei einem Marathon beim 30-Kilometer-Stand um eine (!) Minute verschätzt hat.
"Ich kenne mein Tempo, wenn ich mir eine Zeit vornehme", erläutert er nach gut 27 verletzungs- und beschwerdefreien Jahren intensiven Trainings. Und mindestens bis zu seinem 70. Geburtstag möchte der letztjährige Sieger des Bonn-Marathons in der Klasse M 65 (3:28,12 Stunden) weiterhin unter der Dreieinhalb-Stunden-Grenze bleiben.
Gattin Gisela ist dem Laufsport nicht verfallen, freut sich aber über die Städtereisen, mit denen das Ehepaar Marcour die Marathon-Starts in Prag, Teneriffa, Stockholm oder sogar New York verbindet. Auch der Verzicht auf einen ausgeklügelten Diätplan dürfte im Hause Marcour gut ankommen. "Ich trinke zwar so gut wie keinen Alkohol, bin aber ein großer Süßigkeitenverwerter. Täglich gibt's Pudding oder Kuchen", verrät der Marathon-Mann.
Wohl dem, der so viele Kalorien verbrennt. Aber das hat jeder selbst in der Hand, beziehungsweise in den Beinen . . .Über die Winterlaufserie in Duisburg will sich Wilfried Marcour auf den Bonn-Marathon vorbereiten, der am 20. April gestartet wird. Als Vorjahressieger der Klasse M 65 hat der Flürener in diesem Jahr sogar eine "Freikarte" und spart 50 Euro Anmeldegebühren. Ebefalls bereits angemeldet ist der 65-Jährige für den Münster-Marathon, bei dem es am Start traditionell besonders eng zugeht. "Wenn man auf den ersten zehn Kilometern von der Masse gebremst wird, hat man nachher umso mehr Reserven", hat Marcour kein Problem mit der Strecke dort.